Martin-Luther-Kirche

Eine Kirche der Bergleute 

Anfang des 20. Jahrhundert zog das Bergwerk in Penzberg viele Arbeiter aus traditionell evangelischen Gebieten ins katholische Oberland. Aus diesen Kreisen wurde der wachsenden evangelischen Gemeinde 1904 eine eigene Kirche erbaut. Das Grundstück wurde von der Bergwerksgesellschaft zur Verfügung gestellt. Im Kirchbauverein engagierten sich viele Bergleute und Steiger. Die Kirche lag damals oberhalb der Wohnungen in der Nähe des alten Güterbahnhofs und die Bergleute sind auf dem Weg zu Schicht und Schacht an der Kirche vorbei gekommen. Hier fällt auf, dass unsere Martin-Luther-Kirche nach Norden ausgerichtet ist (nicht wie die meisten Kirchen nach Osten): offene Türen zur Stadt und zu ihren Menschen hin.

Petrus
Bildrechte: Kirchengemeinde

Ordentliche Religion

Beim Bau der „neuen“ Kirche sollte der alteingesessenen, katholischen Bevölkerung gezeigt werden: hier wird ordentliche Religion betrieben. Von außen sieht das Gebäude aus wie eine echte Kirche. Die Form des Fassadenturmes imitiert, wie bei vielen anderen protestantischen Kirchtürmen in der Gegend, typisch oberbayerische Formen, den Zwiebelturm. Die Eingangstüre flankieren die Figuren der beiden Apostel Petrus und Paulus (Peter&Paul) mit ihren Attributen Schlüssel und Schwert. Diese beiden prominenten Türwächter bürgen für die reine, ungebrochene Lehre seit den ersten Gemeinden. Was für ein Selbstbewusstsein der kleinen Bergarbeitergemeinde! In goldenen Lettern und Großbuchstaben wird noch unterstrichen, was hinter diesen Türen geschieht. Eine Überschrift: LOBET DEN HERREN! Hier geht es mit rechten Dingen zu!

Weißt du wieviel Sternlein stehen

Zugleich sollte dieser neue Kirchenbau sich auch von der damals neugotisch gestalteten und benachbarten katholischen Stadtpfarrkirche St. Barbara (Schutzheilige der Bergleute; im 2. Weltkrieg wurde die Kirche völlig zerstört) unterscheiden. Protestantismus sollte moderner, zeitgemäßer aussehen. So wurden Formen, Farben und Gestaltung dem historisierender Jugendstil angelehnt. Ein großes Geheimnis geben außen die 12 Felder mit dargestellten Tierkreiszeichen. Unterbrochen mit floralen Feldern sind sie groß und direkt unter dem Dach an beiden Längsseiten als Wandfries ausgearbeitet. Eine Deutung vermutet, dass hier die Sterne als Werke Gottes um sein Haus kreisen. ER hat alles geschaffen, Welt und All geordnet. 

Kreuz
Bildrechte: Kirchengemeinde

Ein evangelisches Programm

Im Kirchenschiff, mit Bänken, typisch Jugendstil, ein Saalbau, wird es dann gut evangelisch: ein echtes Programm mit Ausrufezeichen offenbart sich dem Betrachter, der Betrachterin:

Die Kanzel erscheint mächtig, dominant und groß. Als Holzschnitzarbeiten flankieren die vier Evangelisten die Kanzel. Hier wird das Evangelium gepredigt. Dabei soll es aber nicht bleiben und die hörende Gemeinde liest auf dem Schalldeckel aus dem Jakobusbrief „Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein.“ Der Altar präsentiert eine geschnitzte Jesusfigur, die den Auferstandenen zeigt. Eine Besonderheit, es gibt kein Altarkreuz mit Gekreuzigtem. Ein Baldachin rahmt die Figur ein. In den Kirchenfenstern im Chorraum entdeckt man die beiden deutschen Reformatoren (vielleicht als Antwort auf die Apostel am Portal?) Philipp Melanchton und den, für die Kirche namensgebenden, Martin Luther. Beide weisen auf das mittlere Fenster, in dem Abendmahlskelch und Hostie, als Symbol für Christus, zu sehen sind. Im Polygonalchor schwebt eine an die Decke gemalte Taube. Hier weht der Geist Gottes über Gemeinde, Predigt, Taufe und Abendmahl. 

Nach Erbauung 1904 folgten bis heute drei neu gestaltete Bemalungen der Raumschale (1926; 1958; 1975). In der letzten umfangreichen Grundsanierung erfuhr die Kirche die heutige Innenraumbemalung durch den bekannten Kirchenmaler Hubert Distler.

Eine dringende Restaurierung(innen&außen) steht uns 2021 bevor.

Kirche
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Spirituelle Kirchenführungen

Bei Interesse an einer speziellen, nämlich spirituellen, Kirchenführung wenden Sie sich an unsere Vertrauensfrau Margot Süskind.

Email: margot.sueskind@elkb.de.